Erwerbsunfähigkeitsversicherung

erwerbsunfaehigkeitDie Erwerbsunfähigkeit ist klar von der Berufsunfähigkeit abzugrenzen.

Das deutsche Sozialrecht unterscheidet zwischen der Möglichkeit keinem Erwerb mehr nachgehen zu können und einer Berufsunfähigkeit.

Definition Erwerbsunfähigkeit
Die Erwerbsunfähigkeit (auch Erwerbsminderung genannt) ist die Unfähigkeit eines Einzelnen durch Arbeit seinen Lebensunterhalt verdienen zu können. Dies kann durch geistige oder körperliche Krankheit und Leiden bedingt sein. (Vergleich Definition Berufsunfähigkeit)

Für die private Erwerbsunfähigkeit gilt das Gleiche, wie für die Berufsunfähigkeitsversicherung. Über die Allgemeinen Bedingungen wird definiert, was unter dem Begriff Erwerbsunfähigkeit zu verstehen ist. Der große Unterschied zwischen Erwerbsunfähigkeit und Berufsunfähigkeit ist dabei ganz einfach folgender: Bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung sichere ich mich gegen das Risiko ab, meinen Beruf nicht mehr nachgehen zu können. Bei der Erwerbsunfähigkeitsversicherung sichere ich mich gegen das Risiko ab, überhaupt keinen Erwerb mehr nachgehen zu können.

Ein Definitionsbeispiel: „Erwerbsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person infolge Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfalls, die ärztlich nachzuweisen sind, voraussichtlich 3 Jahre außer Stande ist, mindestens 2 Stunden täglich irgendeiner Erwerbstätigkeit nachzugehen. (...) Als Erwerbstätigkeit gelten alle Tätigkeiten, die auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt üblich sind. Der zuletzt ausgeübte Beruf, die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten, die bisherige Lebensstellung, insbesondere das bisherige berufliche Einkommen und die jeweilige Arbeitsmarktlage bleiben unberücksichtigt. Auch der Bescheid eines Sozialversicherungsträgers ist nicht bindend.“ In anderen Definitionen wird ggf. von 3 Stunden möglicher täglicher Arbeitszeit ausgegangen. 

Die Erwerbsminderungsrente ist ein Teil der gesetzlichen Sozialversicherung. Es handelt sich dabei um die staatliche Absicherung gegen den Verlust des Arbeitserwerbseinkommens infolge einer Invalidität. Sie ist somit ein Teil der Rentenversicherung. Ursprünglich war die Absicherung der Invalidität sogar der entscheidende Teil der Rentenversicherung, die Altersabsicherung war nicht so erheblich. Dies hat sich verändert.

Am 01.01.2001 trat das „Gesetz zur Reform der Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit“ in Kraft. Mit diesem Gesetz wurde die Erwerbsminderungsrente eingeführt.

Allgemeine Voraussetzung für den Erhalt von EM-Rente: Es müssen in den letzten 5 Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung 3 Jahre Pflichtbeiträge angesammelt worden sein und vor Eintritt der Erwerbsminderung eine Wartezeit von 5 Beitragsjahren erfüllt sein. Berufsanfänger haben somit gar keinen Schutz!

Die Änderungen, die mit dem neuen Gesetz kamen, seien hier stichpunktartig aufgeführt:

Einführung der 2-stufigen EM-Rente mit individualisierter Einkommensanrechnung; es gibt keinen Berufsschutz mehr – Einkommenseinbußen aufgrund Erkrankung mit geringerer beruflicher Einschränkung sind jetzt vom Versicherten selbst zu tragen bzw. privat abzusichern.

Erwerbsfähigkeit wird dabei über die noch zu leistende tägliche Arbeitszeit bemessen; volle Erwerbsminderungsrente gibt es erst, wenn jemand keine 3 Stunden täglich mehr arbeiten kann. (Die Definition der Erwerbsminderung läuft somit über die Arbeitszeit; Grenzen bezüglich Nebenerwerb werden jedoch über das Einkommen festgelegt.)

Wer noch 6 Stunden täglich arbeiten kann gilt nach neuem Recht gar nicht als erwerbsgemindert. Wer „unter den üblichen Bedingungen des Arbeitsmarktes“ noch täglich 3 bis 6 Stunden arbeiten kann ist teilweise erwerbsgemindert, wer auch keine 3 Stunden mehr schafft ist dann voll erwerbsgemindert. Auch Selbständige können EM-Rente erhalten.

Wer teilweise erwerbsgemindert ist erhält nun die halbe EM-Rente, die im Prinzip der früheren BU-Rente entspricht, also als Hinzuverdienst gedacht ist. Wer auf dem Arbeitsmarkt nicht vermittelbar ist (allerdings jetzt ohne Berufsschutz) wird auch weiterhin die volle EM-Rente (also im alten Recht die Erwerbsunfähigkeitsrente) erhalten.

Die EM-Renten werden dabei erst mal stets befristet ausgegeben, immer für 3 Jahre. Wenn sich nach 9 Jahren zeigt, dass die Erwerbsfähigkeit nicht mehr wiederhergestellt werden kann, werden unbefristete EM-Renten gezahlt.

Berechnung der Erwerbsunfähigkeitsrente

Diesen Text hinterlegen: EM-Renten berechnen sich genauso wie die Altersrenten. Es werden Entgeltpunkte berechnet; diese ergeben sich aus dem Verhältnis von persönlich versicherten Entgelt zum Durchschnittsentgelt. Wichtig bei der Berechnung der EM-Rente ist die Zurechnungszeit, welche die fehlende Zeit zwischen Beginn Erwerbsminderung und 60. Geburtstag einbezieht. Bei Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung gilt ein Rentenfaktor von 0,5. Für jeden Monat, der vor dem 63. Lebensjahr EM-Rente gezahlt wird, gibt es einen Abschlag von 0,003, der von 1,0 abgezogen wird. Der Wert kann aber nicht unter 0,892 sinken (also ein max. Abschlag von 10,8% bei Rentebeginn mit 60.) Bei teilweiser EM-Rente gilt dies für die Hälfte der Entgeltpunkte und bei befristeten EM-Rente, die vor dem 60. Lebensjahr enden, gilt diese Abschlagsregelung nicht.

Liest man all diese Punkte durch, kann der Eindruck entstehen, dass man durchaus staatlich ausreichend abgesichert ist. Das ist ein Trugschluss. Betrachtet man die durchschnittlichen EM-Rente Ende 2003, so waren diese: 777 EURO für Männer und 640 EURO – Frauen. 640.- EURO ist schon weniger als die bedarfsorientierte Grundsicherung. Es ist also durchaus zu erwarten, dass bei weiter sinkenden Rentenniveau der gesetzlichen Rente in Zukunft immer mehr Menschen die EM-Rente erhalten auch Leistungen aus der bedarfsorientierten Grundsicherung beantragen müssen.